Chronik ausführlich

75 Jahre FC Böju – ein Rückblick 

Vor 25 Jahren feierte der FCB sein 50-jähriges Bestehen mit einem grossen Festakt am See. In der Jubiläumsschrift wurde unter anderem Rückblick auf die Zeit seit der Gründung genommen. Hier ein kurzer Auszug davon.

 

1913 Aufnahme FC Beinwil – FC Gränichen

 

Im Herbst 1934 wurde auf Initiative von Fritz Gloor der FC Beinwil gegründet. Als erstes Clublokal wurde das Restaurant Rütli gewählt.

Die mangelhafte Akzeptanz in der Bevölkerung mag das Kuriosum zum Ausdruck bringen, dass schon mal die Torpfosten durchgesägt wurden. Die Botschaft dieser Untat war, dass die Jungs Besseres zu tun hätten als dem runden Leder nachzuhetzen.

Die ersten Jahre nach der Gründung standen im Zeichen des Aufbaus und finanzieller Engpässe. Doch Not macht erfinderisch, und so strickte zum Beispiel Ernst Bösiger für die ganze Mannschaft Stulpen und für den Goali einen Pullover. Aus heutiger Sicht kaum mehr vorstellbar ist auch die Tatsache, dass das Team jeweils per Velo zu Auswärtsspielen fuhr.

 

Während den Kriegsjahren von 1939 – 1945 nahm der FCB nicht an der Meisterschaft teil, da ein Grossteil der Mannschaft im Aktivdienst weilte. Die Anbauschlacht (Wahlenplan) führte dazu, dass auch der Sportplatz umgepflügt und als Kartoffelacker zweckentfremdet wurde.

 

Die Nachkriegsjahre brachten neben sportlichen Erfolgen disziplinarische Probleme. Offenbar war bei einigen Fussballern der Elan der Anfangsjahre abhanden gekommen, was zu zwei Vereinsausschlüssen führte.

 

Von 1951 – 1954 führten Spieler und Angehörige des Vereins jeweils einen Fastnachtsmatch in Verkleidung und mit viel Brimborium durch. Die beiden Teams nannten sich politisch nicht ganz korrekt FC Tabakius Beinwil und FC Zulukaffer Kongo.

In der ersten Hälfte der 50er Jahre erwarb sich der FCB den Ruf eines ewigen Zweiten. Mal für Mal wurde der Aufstieg in die 3. Liga verpasst, was offenbar zu einer gewissen Resignation geführt haben muss, da zwei Jahre lang auf Grund vieler Austritte keine Mannschaft für den Meisterschaftsbetrieb gemeldet werden konnte.

 

Kurz nach Wiederaufnahme des Spielbetriebs wurde 1960 der neue Sportplatz am See mit dem Eröffnungsspiel FC Luzern gegen Young Fellows eingeweiht.

In den 60er Jahren wuchs der Verein stetig. Neben C-, B- und A-Juniorenmannschaften wurde auch ein Seniorenteam ins Leben gerufen.

 

Auch in den 70er Jahren gelang dem FCB der ersehnte Aufstieg in die 3. Liga nicht. Trotzdem kennzeichnete sich die Zeit durch ein reges Vereinsleben, das in der Organisation und Durchführung von diversen Turnieren, Ausflügen und geselligen Anlässen seinen Ausdruck fand. In dieser Zeit, genauer 1971, erhielt der Sportplatz auch seine Flutlichtanlage, die fortan auch Abendspiele zuliess.

 

In der Zeit von 1980 – 1984 erwarb sich der FCB abermals den Ruf des ewigen Zweiten. Vier Saisons in Folge belegte die erste Mannschaft in der 4. Liga den zweiten Schlussrang. So bereiteten die Verantwortlichen bereits das 50-Jahr-Jubiläum vor, als das schon nicht mehr Geglaubte Realität wurde. 1984 stieg die erste Mannschaft perfekt getimet just zum Jubiläum in die 3. Liga auf. Der Baumeister dieses Erfolgs war der unvergessene, leider viel zu früh verstorbene Mosener Campingwart Pitsch Trunz. Als Trainer aus dem benachbarten Luzernischen geholt, gelang es ihm in kürzester Zeit, dem schlagkräftigen Team den nötigen Siegeswillen einzuimpfen. Was nun folgte, waren die fidelen 80er Jahre. Die mit Pitsch nach Böju gewechselten Luzerner Spieler sorgten dafür, dass auch nach den Ernstkämpfen so richtig die Post abging. Unvergessen bleiben in dieser Beziehung die Trainingslager an der Adria, die jeweils für Lebensfreude pur und Testosteron im Überfluss garantierten. Dass derart gestalteter Teamgeist nicht automatisch den Verbleib in der 3. Liga garantiert, musste in der Folge schmerzlich zur Kenntnis genommen werden. Allein, der Humor ging selbst in dieser Situation nicht aus. Das letzte 3.Liga-Spiel wurde im schwarzen Traueranzug in Angriff genommen – Noblesse oblige!

 

Abseits des schlagzeilenträchtigen Geschehens rund ums Fanionteam meldete der FCB 1986 erstmals eine Seniorenmannschaft zum Meisterschaftsbetrieb. Dieser Schritt war umso wichtiger, als ein immer stärker wachsendes Vereinsschiff dringend auf die Mitarbeit der älteren Semester angewiesen ist, die in der Regel für Konstanz und stille Arbeit im Hintergrund garantieren.

 

1989 gelang es abermals einem Luzerner Trainer, den FCB in die 3. Liga zu führen. Diesmal war es der schlitzohrige Roger Kutter, dem das kleine Wunder gelang. Um die Infratruktur der Entwicklung anzupassen, wirkten die Vereinsverantwortlichen seit längerer Zeit auf die Schaffung eines zweiten Spielfeldes am See hin. Als 1990 der Böjuer Souverän den Kredit für das Vorhaben gut hiess, dachte man schon, das Ganze sei geregelt. Durch Einwände der kantonalen Stellen (Stichwort: Uferschutzzone) sollte es aber noch vier lange Jahre dauern, bis der neue Platz eingeweiht werden konnte. Mit der 1. Mannschaft ging es weiter im Lift; mal nach oben, mal nach unten. Für die 4. Liga schien der FC Böju zu stark, für die 3. Liga zu schwach zu sein.

 

Mitte der 90-er Jahre dann wurde eine Ära eingeleitet, die bis heute Bestand haben sollte. An der GV 1994 wurde der erst 25jährige Schnöpfu Hintermann zum Präsidenten gewählt. Sein Amtsvorgänger Peter Haerry wechselte auf den Posten des Spiko-Sekretärs – eine Kombination, die sich als Erfolgsrezept erweisen und bis heute Bestand haben sollte!

Von nun an wurden die Geschicke des FCB im Hinterzimmer des Reisebüros Hintermann geleitet, wo unzählige Besprechungen gehalten, Absprachen getroffen und Strippen gezogen wurden.

 

Dem Power-Duo Hintermann / Haerry gelang 1998 auch die spektakuläre Verpflichtung des ehemaligen Nati A-Spielers Armando Granzotto als Trainer der 1. Mannschaft. Damit sollte endlich das Underdog-Image abgelegt werden, das dem FC vom See seit so langer Zeit in der Aargauer Fussballszene anhaftete. Und die Rechnung sollte aufgehen.  Granzotto gelang es, aus jungen, talentierten Eigengewächsen ein selbstbewusstes Team zu zimmern, das schon bald mit breiter Brust auf den Plätzen der Region auftrat und für Furore sorgte. Spätere Teamstützen wie Simu Keller, Juan Souto, Webi, Raffi Eichenberger, Chnöttu Merz, Lundi, Joni Baumann und Andi Willi hatten bereits als Junioren ihre Fussballstiefel für Blau-Weiss geschnürt und erhielten nun vom erfahrenen Trainer den nötigen Schliff, um den einzigartigen Höhenflug einzuleiten, zu welchem nun angesetzt wurde.

 

Bereits in der Saison 00/01 gelang der Wiederaufstieg in die 3. Liga, dem als Sahnehäubchen noch der Einzug in den Cup-Halbfinal aufgesetzt wurde. In dieser Saison erwarb sich Böju auch den inoffiziellen Titel des 4.Liga Schweizermeisters, gelang es doch landesweit keiner Mannschaft, mehr Punkte zu sammeln als der Macht vom See. Umgekehrt soll allerdings auch nicht verschwiegen werden, dass Jahre zuvor das Böjuer Zwöi den inoffiziellen Titel der schweizweit schlechtesten Mannschaft erworben hatte, da es keinem Team der Schweiz gelang, in der untersten aller Ligen weniger Punkte zu sammeln und mehr Gegentore einzukassieren als eben diesem legendären, mit grosser Medienpräsenz aufwartenden Zwöi.

 

Doch zurück zum Fanionteam. Seinem Elan hatte die Konkurrenz auch in der 3. Liga nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen, so dass der spektakuläre Durchmarsch in die 2. Liga Wirklichkeit wurde. Zusätzlich und sozusagen nebenbei gewann das hungrige Team noch den seinerzeit ausgetragenen IRB-Cup und hielt erstmals Einzug in den Schweizercup.

Von nun an war zu Saisonbeginn für alle Experten der Fall klar. Es konnte nur einen Absteiger aus der 2. Liga geben, und der hiess FC Böju. Allein, Totgesagte leben länger, und zur Verwunderung aller hiess der Absteiger Jahr für Jahr eben nicht FC Böju.  Um alle Prognosen Lügen zu strafen, gelang gar der Einzug ins Finale des Aargauer Cups, in dem allerdings der FC Kölliken das bessere Ende für sich behalten sollte.

Dass diese herrlichen Jahre nicht ewig dauern würden, war allen Beteiligten klar. Die Vereinsverantwortlichen hüteten sich vor der Verlockung, Geld in fremde Spieler zu stecken um den Traum noch künstlich zu verlängern.

 

So wurde der Abstieg dam Ende der Saison 06/07 auch nicht als Schiffbruch empfunden. Vielmehr garantierte er auch weiterhin die Integration junger Eigengewächse ins Fanionteam. Diese Aufgabe übernimmt seit dieser Zeit Livio Abbagnale, dessen Arbeit bereits erste Früchte zu tragen beginnt.

 

Betrachtet man das Vereinsschiff in seinem 75. Jahr, so darf man sicher optimistisch in die Zukunft blicken. Dem Verein darf das Etikett «klein aber fein» angeheftet werden, und die Verantwortlichen sind sich der Verpflichtung bewusst, die dies mit sich bringt.

Jogi Hörner, 2009